Charles Nguela: Mit dem Roboter im Rampenlicht

Charles Nguela: Mit dem Roboter im Rampenlicht

Künstliche Intelligenz trifft auf menschlichen Humor: In der Produktion «Robocare» des Casinotheaters Winterthur spielt mit Pepper – zumindest schweizweit – erstmals ein richtiger Roboter in einer Komödie mit. Technik-Fan und Stand-up-Comedian Charles Nguela freut sich auf seinen humanoiden Bühnenpartner.

Technik habe ihn schon als kleiner Junge interessiert, sagt Charles Nguela. «Das ging so weit, dass mir meine Mutter irgendwann keine elektronischen Geräte mehr kaufen wollte, denn nach einer Woche habe ich sie jeweils schon auseinandergenommen. Und bis heute habe ich jeden PC aufgeschraubt – nur um zu wissen, was drin ist.»

Nach einer Lehre als Drucktechnologe und einer Zusatzausbildung im Marketing setzte er voll auf sein einstiges Hobby Comedy. Auch sein aktuelles Programm «Helvetia’s Secret» zeugt von Vielseitigkeit. 72 Jungfrauen, die Liebe, ein afrikanischer Gottesdienst, hässliche Babys, ein Fahrrad, Geschwister, Nagelpistolen und Jamaikaner kommen vor. Kaum ein Thema, das Charles Nguela nicht auf die Bühne bringt – und wozu ihm nicht etwas Humorvolles einfällt.

Das brachte ihm 2014 den Swiss Comedy Award ein – und so hat der Dreissigjährige heute einen festen Platz in den Top Ten der Schweizer Stand-up-Comedians.

Ab Ende August spielt die Technik wieder eine grössere Rolle in seinem Leben – und dies im wörtlichsten Sinne: Sein Bühnenpartner heisst Pepper und ist ein echter Roboter. Der Maschinenmensch steht im Zentrum der Komödie «Robocare». Als weitere Akteure aus Fleisch und Blut sind zudem Esther Gemsch (bekannt aus «Lüthi & Blanc») und Maja Stolle (die sympathische Seniorin aus der SBB-Werbung) mit von der Partie, Regie führt Katja Früh, als Dramaturge wirkt Viktor Giacobbo. In der Geschichte von Bühnenautor und Comedy-Gagschreiber Domenico Blass geht es um «Altenpflege 4.0». Erzählt wird laut Beschrieb die Geschichte einer Wohngemeinschaft, in der Informatikstudent Sam (Nguela) als Untermieter bei der erfolgreichen Hotel-­Marketingfachfrau Vera (Gemsch) lebt. Eines Tages platzt deren boshafte Mutter Ruth (Stolle) in die Wohnung und will ab sofort dort gepflegt werden. Am liebsten von ihrer Tochter, die sie seit Jahrzehnten lustvoll schikaniert. Aber Vera weiss genau: Wenn sie ihre narzisstische Mutter selber pflegt, scheitert sie genauso wie all die Heerscharen von Betreuerinnen vor ihr. Deshalb präsentiert sie Ruth die perfekte Pflegeperson: den humanoiden Roboter Pepper, der bei ihr im Hotel nicht mehr gebraucht wird. Grundlegende Fähigkeiten hat Sam dem Roboter programmiert, den Rest soll sich die hochintelligente Maschine dank ihrer Lernfähigkeit selber beibringen. Ruth tut alles, um auch diese Betreuungsperson so rasch wie möglich loszuwerden, doch bei der freundlichen Maschine beisst sie mit ihren Intrigen auf Granit. Weil der Roboter lernt, wie er mit Ruth umgehen muss, erobert er sich rasch einen festen Platz in ihrem Herzen – und nimmt im Leben von Vera und Sam bald mehr Raum ein, als ihnen lieb ist.

«Das war lustig», sagt Charles Nguela, «zwei drei Tage bevor mir Domenico Blass von dieser Rolle erzählte – warum man gerade mich anfragte, weiss ich nicht – hatte ich mir über neue Themen für die Bühne Gedanken gemacht – «und war dabei auf Artificial Intelligence gekommen.» Deshalb habe er sofort zugesagt. Mit Blass hatte er vorher im «Nightmär-chen» am Theater am Hechtplatz zusammengearbeitet. «Künstliche Intelligenz fasziniert mich sehr», sagt Nguela, «aber ich habe natürlich auch Bedenken, was diese technischen Entwick­lungen betrifft. Das Stück ist auf humorvolle Weise kritisch. Früher oder später wird diese Entwicklung kommen.»

«Wer weiss, ob Roboter Pepper plötzlich

spontan eine neue Idee hat?»

Ob Roboter eines Tages wirklich Senioren pflegen werden oder nicht, sei dahingestellt. Vorerst müssen Charly und seine Bühnengenossinnen tatsächlich ab August zusammen mit einem echten Roboter auf einer Bühne agieren. Das ist der Beginn einer neuen Theater-Epoche – vielleicht sogar weltweit: Denn Pepper ist nicht etwa nur eine ferngesteuerte Attrappe, sondern ein wirkliches Maschinenwesen. Überraschungen sind deshalb – buchstäblich – vorprogrammiert. Denn niemand weiss, ob sich der ständig dazulernende Roboter stets brav an seine Dialoge hält, wie sie im Buche stehen. «Das macht uns schon ein wenig Sorgen», sagt Nguela. «Wer weiss, ob da nicht plötzlich die Ver­bindung zum Netz ausfällt. Oder ob Pepper plötzlich eine neue Idee hat, wie er auf eine Frage antworten oder auf einen Befehl reagieren könnte?», und fügt dann spontan hinzu: «Ah, jetzt wird mir klar, warum man mich für die Rolle angefragt hatte – er wollte wohl einen Stand-up-Comedian, der improvisieren kann, wenn so etwas passiert!»

Nun ist Charly gespannt auf den Probenbeginn am 15. Juli. ­Roboter Pepper hat er schon an einem Fototermin kennen­gelernt. Am 29. August ist Premiere, anschliessend steht das Stück während einem Monat fast täglich auf dem Programm des Casinotheaters Winterthur. Nguela: «Am Stück interessieren mich vor allem die philosophischen Fragen: Was passiert, wenn künstliche Intelligenz immer mehr in unser Leben tritt – ein ­Roboter hat keine Empathie und kein Unterbewusstsein. Das Stück wird Ängste wecken und Fragen aufwerfen – man wird mit einem nachdenklichen, aber auch mit einem lachenden Gefühl nach Hause gehen.»   
 

Christoph Soltmannowski

http://www.solt.ch

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