Peter Marvey: Der Traum vom Fliegen

Peter Marvey: Der Traum vom Fliegen

Seine Illusionen zeigt Peter Marvey weltweit mit gros­sem Erfolg. Und demnächst auch wieder in der Schweiz. Für seine neue Show hebt er erneut ab: Er hat das Fliegen weiter perfektioniert.  

Seinen Kindheitstraum, das Schweben und Fliegen, hat er zum Beruf gemacht – und verzaubert damit jetzt auch andere: Peter Marvey (48) ist ein zaubernder Erfinder. Bald schwebt er durch die Maag Halle. Der innovative Illusionist empfing uns in seinem Haus
in Feusisberg SZ zum Interview. 

event.: Unter den Zauberern gelten Sie als der Spezialist fürs Schweben. Was fasziniert Sie daran?

Peter Marvey: Schon als Kind habe ich immer vom Fliegen geträumt. Auch, als ich noch gar nicht zauberte, habe
ich Flügel gebaut. Meine Eltern haben mich dann auf einen Flug eingeladen, denn wir waren noch nie geflogen. Es ist gar nicht in Frage gekommen, man ist immer in die Ferien gefahren. Und
dann flogen wir von Zürich nach Genf. Aber nur einen Weg, für die Rückreise sind wir mit dem Zug gefahren. So konnte ich das Fliegen zum ersten Mal erleben. Dann mit der Zauberei ist
dann irgendwann die Idee gekommen
zu schweben. Und vielleicht eben sogar zu fliegen.
Wie sind Sie denn überhaupt aufs Zaubern gekommen?

Mein Götti hat mir zu meinem achten Geburtstag einen Zauberkasten geschenkt. Richtig los ging es aber erst mit 14, als mir ein Zauberbuch in die Hände fiel – und damit hat sich mir eine Welt eröffnet. Ich war inspiriert und
habe entdeckt, dass ganz viel möglich ist, wozu ich zuvor keinen Zugang hatte. Viele Effekte waren mir aber viel zu kompliziert, deshalb bin ich von Anfang an meine eigene Linie gefahren.

Was machen Sie denn anders?

Ich bin extrem visuell. Wenn ein Kunststück zu lange dauert – zum Beispiel etwas mit Karten –, schalte ich ab. Der Aufbau darf nicht zu lange dauern. Für mich muss es direkt wirken – es muss ein sichtbarer Effekt sein. Ich bin ein sehr visueller Mensch, auch in der eigenen Show. Deshalb das Schweben und das Fliegen – ein unerklärlicher Zustand!

Erfinden Sie Ihre Illusionen immer selbst – und ganz allein?

Die Grundidee kommt immer von mir. Ich habe immer einen Schreiber, einen Schreibblock und einen Klappmeter dabei – hier in meinem Haus in jedem Stockwerk. Wenn ich eine Idee habe, versuche ich, diese damit immer gleich in die Realität umzusetzen. 

Haben Sie noch Lampenfieber?

Nicht so sehr wie früher, aber ich bin dann am nervösesten, wenn ich etwas Neues zeige. Dann kenne ich mich ja
am wenigsten aus. 

Was zeigen Sie uns denn Neues in Ihrer kommenden Show?

Ich habe das Fliegen von Grund auf überarbeitet – und jemand kann auf
die Bühne kommen und mir die Hand geben, während ich in der Luft schwebe.

Das tönt innovativ. Wie entwickelt sich die Kunst der Zauberei weltweit weiter? Was ist der neuste Trend? 

Die grossen Bühnenshows kommen zurück – in grossen Stadien werden Rekorde in Sachen Zuschauerzahlen aufgestellt. Vor einigen Jahren war es noch anders, man wollte mehr Street Magic sehen. Doch inzwischen haben die Zuschauer gemerkt: Was sie da im Fernsehen vorgesetzt bekommen an «spontaner Magie auf der Strasse» hat nichts mehr mit der Realität zu tun, sondern mit guter Videobearbeitung. Man geht wieder live ins Theater. Manche Magier behaupten ja sogar allen Ernstes, tatsächlich über magische Kräfte zu verfügen – glauben Sie selber an Übersinnliches?

Irgendwo hört das Wissen auf, und das Glauben fängt an. In meiner Show will ich das nicht ansprechen, aber irgendwo hat jeder eine Grenze, wo er sich nicht mehr sicher ist.

Glauben Sie selber an übersinnliche Dinge?

Ich stehe auf dem Boden der Realität. Aber das ist auch ein Grund dafür, dass ich zaubere. Weil man sich nicht mit oberflächlichen Erklärungen zufriedengibt. Sondern weil man es eben wirklich wissen will.

Sie sagen, dass es für alles eine Erklärung gibt?

Das sage ich nicht. Ein Zauberer nennt sich ja Zauberer. Also muss man sich nicht jede Illusion erklären können.

Haben wir denn heutzutage zu wenig Magie in unserem Alltag?

Die Magie ist immer weiter von uns weggerückt. Wenn es früher donnerte, hat man geglaubt, eine Gottheit sei erzürnt. An fast jedem Tag gab es solche Momente. Jetzt ist die Blase des Ungewissen viel weiter von uns weg. Forscher bewegen sich heute in Sphären, von denen wir keine Ahnung haben – da
gibt es auch sehr viel Unbekanntes. Aber eben, es ist sehr weit weg.
Dann ist es Ihr Bestreben, das Staunen ins Leben zurückzubringen?

Ich zeige da, was ich selber auch gerne sehen will, was mich faszinieren würde, mich vom Stuhl hauen würde und mir den Boden unter den Füssen wegziehen würde.
Heute, wo Sie als Zauberer ja die Tricks dahinter kennen: Gibt es überhaupt noch etwas, das Sie zum Staunen bringt?

Ja, das können ganz einfache Sachen sein, wie zum Beispiel ein Bleistift: Wie wird der hergestellt? 

Sie entdecken die Magie im Einfachen.

Ja, selbst Glas ist für mich etwas Magisches. Man kann nicht hindurch, aber man kann hindurch schauen. Das ist etwas Magisches – deshalb habe ich in meinem Haus so viel Glas, wie zum Beispiel diese Treppe. Mich faszinieren auch Stimmungen, Musik, Tango – das bringt mich in eine andere Welt.           ν

Christoph Soltmannowski

http://www.solt.ch

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