Oropax: Comedy, an den Haaren herbeigezogen

Oropax: Comedy, an den Haaren herbeigezogen

Seit Jahren bezaubern Thomas und Volker Martins alias Oropax mit kuriosem Klamauk und wahnwitzigen Wortklaubereien. Wen wunderts, wenn ein Interview mit den begnadeten Brüdern zur Gesprächstherapie ausartet?    Text: Christoph Soltmannowski, Fotos: Nicolas Aebi

event.: Euer neues Programm heisst «Testsieger am Scheitel.». Welche Bewandtnis hat es damit auf sich?

Thomas Martins: Das Leben ist ja praktisch schon ein Scheitel, entweder geht es bergauf oder bergab. Und wir haben dazu ein Frisurenstudio aufgebaut. 

event.: Das ist ja haarsträubend!

Volker Martins: Ja, wir werden verschiedene Scheitelpunkte testen. Und werden dabei zum Ergebnis kommen, dass Nonsens die Lösung ist.  

Autor Christoph Soltmannowski mit Volker und Thomas (rechts) von Oropax.

Ihr seid bekannt für eure Wortspiele – verfolgen euch diese manchmal bis in den Schlaf?

Thomas: Neulich träumte ich, ich sässe mit dem Schweizer Unternehmer Peter Spuhler an einem Tisch. Er sagte: «Ich bin jetzt auch in der Comedybranche. Und
ich schwitze ohne Ende. Frag mich mal, warum ich so viel schwitze!» Ich musste Peter Spuhler also im Traum fragen, warum er so viel schwitze. Er antwortete: «Ich bin in der Heiss Society.»

Volker: Zum Glück hast du diese Pointe nur geträumt – sie hat es nicht auf die Bühne geschafft. Aber es gibt ihn schon, den Terror des Wortwitzes!

Thomas: Wenn ich nach einem Auftritt  nach Hause komme, muss ich schon aufpassen, dass ich keine Witze mach.
Zu viele Wortwitze zu Hause sind
einfach nicht mehr witzig.

Volker: Als ich neulich zur Arbeit ging, hat meine Tochter nicht etwa gesagt:
«Ah bist du wieder lustig?» – sondern: «Musst du wieder mit dem Thomas schimpfen?» Zu Hause herrscht eine ganz andere Wahrnehmung von dem, was wir auf der Bühne tun. 

Ich gehe mal davon aus, dass eure Bühnenstreits durchwegs unecht und immer nur gespielt sind.
Thomas: Du bist ganz schön naiv, ey!
Im Ernst, gibt es auch Momente, wo ihr euch in die Haare kommt?
Volker:  Eher in die Poren.

Thomas: Das wäre jetzt Porenspalterei! Mein Bruder ist da natürlich deutlich ausgefallener als ich. Aber wir wissen schon, was dem anderen wehtut. Brüder wissen das voneinander sehr wohl.
Und machen es deshalb auch nicht. 

Volker: Oder eben doch. Es gibt Phasen, in denen wir den kuriosesten Streit haben, bei denen es aber jedem bewusst ist, dass dieser Streit vollkommen absurd ist. 

Thomas: Mann, du bist so schrecklich emotional!
Volker: Ja stimmt, bei diesem Thema werde ich emotional. Und mein Bruder neigt zur gefühlsmässigen Reaktion.

Thomas: Bleib doch mal sachlich!

Volker: Meistens entschuldigen wie
uns dann.

Thomas: Immer diese schnelle
Entschuldigung, dieses schäbige «Ich wollte das nicht»!

Volker: Ich wollte es aber doch!

Schön, dass dieses Interview zur Gesprächstherapie wird. Im Ernst: Stimmt es, dass viele Komiker privat sehr ernste Menschen sind? 

Thomas: Wie Marco Rima zum Beispiel? Das war so eine Enttäuschung, ihn privat kennenzulernen (lacht).

Volker: Ein Komiker kann auf der Bühne nicht immer lustig sein, wenn er den Witz nicht auch im privaten Leben verinnerlicht. Aber es gibt sicherlich Kollegen, die auf der Bühne so auf eine Rolle festgelegt sind, dass sie diese im privatem Leben nicht spielen wollen.

Ihr seid Brüder und steht gemeinsam auf der Bühne – habt ihr überhaupt noch Lust, auch in eurer Freizeit zusammen etwas zu unternehmen?

Thomas:  Manchmal wollen wir den ganzen Tag an unserem Programm arbeiten, machen dann aber eine Wanderung, eine Radtour oder gehen auf den See – und kommen dabei auf neue Ideen. 

Volker: Manchmal ist es auch einfach gut, nicht zu arbeiten. Ja wir verstehen uns auch privat gut und wissen, was wir aneinander haben!

Thomas: Die kurze Zeit des Lebens sollte man schon mit Leuten zusammenarbeiten, die man schätzt und mag.

Ihr kennt euch ja auch schon länger.

Thomas: Klar, ich kenne Volker
besser als er sich selbst. Deshalb werde ich ihn bald in seinem Soloprogramm spielen. Das kann ich auch viel besser als er selbst.

Christoph Soltmannowski

http://www.solt.ch

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