Tanita Tikaram: «Meine beste Zeit ist jetzt»

Tanita Tikaram: «Meine beste Zeit ist jetzt»

Schon mit 19 wurde die bri-tische Singer-Songwriterin Tanita Tikaram mit «Twist
in My Sobriety» zum Star. Gerade 50 geworden, wagt sie sich heute nach wie vor
in immer neue musikalische Gefilde. Und das mit grosser Gelassenheit, wie sie uns verriet.   
Interview: Christoph Soltmannowski

event.: 1988 landeten Sie mit «Twist in My Sobriety» einen Hit, der heute als Evergreen gilt. Es ist Ihr Song,
er wird immer wieder gecovert, laut Wikipedia gibt es über 15 Versionen. Gefällt Ihnen, was man mit Ihrem Song macht?

Tanita Tikaram: Das ehrt mich grundsätzlich sehr, die Version von Liza Minnelli und den Pet Shop Boys war gut – aber noch mehr beeindruckt war ich von Patti Smith, die den Song vor einem Jahr in Brüssel gespielt hat – das findet man auf Youtube. Sie hat dem Song nochmals einen neuen Inhalt und eine neue Bedeutung gegeben.

Vielleicht können Sie mir mal erklären, worum es in diesem Song eigentlich geht – auf Deutsch heisst das ja
in etwa «Verdrehung in meiner Nüchternheit»?

Auch ich weiss das ehrlich gesagt noch immer nicht. Er lässt viele Interpreta­tionen zu. Es geht mehr um die Atmosphäre, die das Lied erzeugt. 

Was hat Sie damals dazu inspiriert?

Als ich 19 war, las ich viel, ich wollte ein Künstlerleben führen. Ich las Virginia Woolf und interessierte mich für die Künstler der legendären Bloomsbury Group. Ich wollte in eine andere Welt kommen.

Hält dieses Interesse bis heute an?

O ja! Etwas Interessantes habe ich gerade neulich erlebt. Ein guter Freund am
King’s College in Cambridge hat mir dort ein Gemälde gezeigt, das erst kürzlich hinter einer Wandtäferung entdeckt worden war – eine Wandmalerei des Künstlers Duncan Grant, der mit der Schwester von Virginia Woolf liiert war. Er war bisexuell und hatte damals eine Beziehung mit dem berühmten Ökonomen John Maynard Keynes. Als ich allein davor stand, waren die Künstler, von denen ich in meiner Jugend so viel gelesen hatte, plötzlich wieder präsent. Das Bild war ziemlich erotisch, und ich konnte
klar erkennen, dass es in Verbindung mit einer Liebesgeschichte entstanden ist,
mit sehr viel Passion.

Inspirieren Sie Kunst und Malerei heute noch immer? 

Ja, aber heute ist es etwas anders. Damals war ich sehr hungrig, über die Bücher wollte ich herausfinden, wer ich bin. Heute bin ich etwas gelassener.

Sie wurden am 12. August 50 – ­welches war die beste Zeit Ihres bisherigen Lebens?

Ich würde sagen, die beste Zeit ist jetzt! Das sagen mir auch andere Frauen aus meiner Generation. In diesem Alter kann man endlich man selbst sein. Es ist nicht mehr so wichtig, wie man aussieht. Ich habe das Gefühl, dass ich aufgeblüht bin. In früheren Jahren fühlte ich mich oft ein wenig verloren. Jetzt bin ich sehr fokussiert. Vieles, was ich immer erreichen wollte, ist in Reichweite gerückt.

Wird sich das auf Ihrem neuen Album auch musikalisch widerspiegeln?

Gut möglich. Es wird das Album, von dem ich immer geträumt hatte. Ich arbeite mit vielen guten Musikern. Es werden nicht nur Songs von mir darauf sein, sondern zum Beispiel auch welche von Nina Simone. Es hat Spass gemacht, an den Arrangements zu arbeiten. 

Sie waren schon in jungem Jahren erfolgreich – welchen Rat geben Sie heute jungen Musikern?

Die Welt ist heute so anders geworden – Karrieren werden anders lanciert, zum Beispiel mit Casting-Shows. Ein Patent­rezept habe ich nicht. Ich kann nur raten, mit einer Offenheit für die Musik um einen herum durch die Welt zu gehen, gleichzeitig aber auch anzustreben,
seine eigene Stimme zu finden und zu entwickeln, keine Angst davor zu haben, auszudrücken, wer man ist.

Was dürfen wir von Ihrem Konzert am 24.9. im Zürcher Kaufleuten erwarten?

Ich werde von hervorragenden Musikern begleitet, zum Beispiel ist Helen O’Hara von Dexys Midnight Runners dabei.
Und natürlich werde ich Songs meines neuen Albums spielen, das aber erst später erscheinen wird. Vorher erscheint aber noch ein Vinyl-Album auf dem Label des engagierten Musikjournalisten Peter Paphides, ein Sammlerstück in kleiner Auflage.

Freuen Sie sich auf Zürich?

Sehr, denn diese Stadt und ihre Bewohner habe ich als sehr aufgeschlossen erlebt. Und es gibt gutes vegetarisches
Essen.                  

Christoph Soltmannowski

http://www.solt.ch

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