John Cale: Ewige Wundertüte

John Cale: Ewige Wundertüte

Ewige Wundertüte

CHRISTOPH SOLTMANNOWSKI

Mit Lou Reed und Warhol-Muse Nico nahm John Cale (75) vor 50 Jahren das legendäre «Bananen-Album» von Velvet Underground auf. Die Songs spielt er heute immer noch.

Sie gelten als Chamäleon und Wundertüte, als Musiker, der sich immer wieder neu erfindet. Womit werden Sie uns bei Ihrem Konzert in der Schweiz überraschen? Oder spielen Sie vor allem Ihre Klassiker?

John Cale: Ich habe was ganz anderes vor. Hat mehr mit Hip-Hop zu tun. Ich mag es, wenn meine Songs nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Manches wird politisch sein, manches kulturell.

Politisch? Vielleicht mit Bezug auf den aktuellen US-Präsidenten? Ach nein! Der ist nur vorübergehend. Bis Weihnachten ist der weg.

1967, vor genau 50 Jahren, erschien das legendäre Album «Velvet Underground & Nico». Was bedeutet es Ihnen heute?

Es erinnert mich an ein dreckiges und dunkles New York. An arme Leute, die sehr lange und hart daran arbeiteten, neue Ideen zu entwickeln und neue Musik zu schaffen. Leute, die es schwer hatten, sich durchzusetzen. Denn damals musste man mindestens zwei, drei Songs aus der Hitparade spielen, um als Band Erfolg zu haben. Und weil wir uns weigerten, wollte uns niemand. Bis Andy Warhol kam und uns half. Ironischerweise wurden wir dann schnell so berühmt, dass wir damit gar nicht umgehen konnten.

Sie haben seither immer wieder Neues gemacht – spielen aber auch die alten Songs noch. Finden Sie nun zum Beispiel Ihre neue Version von «Venus in Furs» besser als das «Original» auf dem «Bananen-Album»?

Gute Frage. Kommt immer darauf an, wer mitspielt und welche Ideen er einbringt.

Lieben Sie es, die Songs zu verändern?

Oh ja, sonst wäre es nur Routine. Aber es hat auch eine Grenze. Das Publikum schätzt es nicht, wenn es die Songs nicht mehr wiedererkennt.

Ich hörte, Sie arbeiten an einem neuen Album.

Schon seit drei Jahren. Aber jetzt geben wir ihm den letzten Schliff.

Freuen Sie sich auf das Konzert in Zürich?

Ja, das Publikum in der Schweiz ist anders, soziokulturell gut durchmischt. Wenn man nicht in einer einheimischen Sprache singt, hat das in Ländern wie der Schweiz einen höheren Stellenwert. Das ist dann wie damals, als mich wegen meines starken Waliser Akzents in New York kein Mensch verstand. Aber vielleicht genau deswegen kam das schon damals gut an.

Christoph Soltmannowski

http://www.solt.ch

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